Kulturkreis – Besichtigung Eichamt in Köln

Am 1. Juni 2026 trafen sich einige Mitglieder des Kulturkreises zur Besichtigung des Eichamts Köln in Ossendorf. Der Leiter der Betriebsstelle, Herr Cziudaj, begrüßte uns am Eingang und während wir noch auf verspätete Teilnehmer warteten, schauten wir uns einige Ausstellungsstücke im Foyer an.

In einem Besprechungsraum zeigte uns Herr Cziudaj anhand einer Präsentation zuerst die Anfänge des Mess- und Eichwesens. Es begann bereits in der Antike, als die „gewöhnliche Elle“, die Länge eines Arms vom Ellbogen bis zur Spitze des Mittelfingers, als Längenmaß festgelegt wurde. Weitere Unterteilungen waren die Spanne (Spannweite der Hand – oder eine halbe Elle), die Handbreite (eine sechstel Elle), Fingerbreite (eine vierundzwanzigste Elle), eine heilige oder königliche Elle (sieben Handbreit oder 28 Fingerbreite). Später kamen durch die Römer noch der Fuß dazu, den sie von den Ägyptern übernommen hatten. Eine Meile waren 1000 Römische Doppelschritte, jeder Doppelschritt waren 5 Römische Fuß.

Diese Maße waren natürlich von Mensch zu Mensch und von Herrscher zu Herrscher unterschiedlich. Im Jahr 1795 wurde dann der Urmeter vom Erdumfang abgeleitet. Ein Messingstab, den man in Paris besichtigen kann. Der Messingstab war jedoch zu temperaturempfindlich, so dass man immer wieder andere Metalle verwendete. Für jedes Land, dass den Meter als Längenmaß verwendete, musste ein Kopie des „Urmeters“ hergestellt werden, die dann in dem jeweiligen Land aufbewahrt wurde. Das Kopieren führte jedoch immer zu Ungenauigkeiten. Seit 1983 definiert man den Meter als Strecke, die das Licht in 1 / 299.792.458stel Sekunde im Vakuum zurücklegt. Diese Definition kann man heute überall im Labor nachbilden, da sie auf der Naturkonstante Lichtgeschwindigkeit beruht.

Die Eckdaten des LBME NRW:

– Nachgeordnete Behörde des Wirtschaftsministeriums NRW

– Landesbetrieb seit dem 01.01.2001

– Landesweit ca. 300 Beschäftigte

– 9 Betriebsstellen + 1 Direktion

– Einnahmen: 24,3 Mio Euro in 2025

– Ausgaben: 27,1 Mio Euro in 2025

– Kostendeckungsgrad: 91%

Der LBME hat hoheitliche Aufgaben und darf Gebühren und Bußgelder erheben. Er finanziert sich dadurch zum größten Teil selbst. Er hat Polizeiliche und Staatsanwaltliche Befugnisse. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Er darf Bußgelder bis zu 50.000 Euro verhängen und auch Geräte Einziehen und Sicherstellen.

Danach erläuterte Herr Cziudaj die vielfältige Arbeit des LBME in Köln. Neben der Stadt Köln gehören zum Zuständigkeitsbereich auch die Städte Bonn und Leverkusen, sowie der Oberbergische Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und der Rhein-Sieg-Kreis. Am Standort Köln arbeiten 37 Beschäftigte.

Zu ihren Aufgaben zählen u.a. das Eichen von:

– Volumenmessgeräten, z.B. Zapfsäulen, Tankwagen und Lagerbehälter

– Gewichtsstücken und Waagen

– Längen- und Flächenmessgeräten, z.B. Stoffmessmaschinen und Frachtmessgeräte

– Taxameter und Wegstreckenzähler in Mietwagen

– Reifendruckluftmessgeräte, z.B. an Tankstellen

– Fertigpackungen und Ausschankmaße für Lebensmittel und Getränke

– Geschwindigkeitsüberwachungsmessgeräte (Blitzer), Rotlichtüberwachungsanlagen und Radlastmesser

– Messgeräte für Gas, Wasser, Wärme und Elektrizität

– Schallpegel- und Strahlenschutzmessgeräte. Letztere werden für ganz NRW nur noch ausschließlich in Dortmund geeicht.

Tätigkeiten, die am Standort Köln für ganz NRW durchgeführt werden:

– Fertigpackungskontrollen für Lebensmittel und Getränke

– Prüfungen nach dem Feingehaltsgesetz für Gold- und Silberwaren

– Waffenbeschuss für 280.000 erwerbsscheinpflichtige Waffen, 70.000 Gas- und Signalwaffen, 270 Böller (Brauchtumswaffen, z.B. für Schützenvereine) – Die sogenannte „Beschussanlage“ durften wir leider nicht besichtigen, da dies zu gefährlich ist.

– Taxenprüfung

– Tarifprüfung aller Taxentarife – Prüfung der Software der Taxameter

Zum Schluss haben wird noch 2 Räume besichtigt, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Im 1. Raum wird die Prüfung der sogenannten Feinwaagen durchgeführt. In diesem Raum muss bei der Prüfung und Eichung immer eine ganz exakte Temperatur und Luftfeuchte herrschen. Durch unsere Anwesenheit von 9 Personen schwankten die Milligramm-Waagen schon um 0,2 mg und mehr. Die Eichung darf also nur durchgeführt werden, wenn nur 1 Person im Raum ist.

Der 2. Raum war eine große Halle, in dem u.a. Gewichte von 500 kg für die Eichung von großen Waagen gelagert sind. Damit die Gewichte auch wirklich immer exakt 500 kg wiegen, kann man in Hohlräume in den Gewichten kleine Metallkugeln einfüllen oder entfernen. Vor diesen Gewichten entstand auch unser Gruppenfoto.

Nach über 2 Stunden war unsere Besichtigung beendet. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal bei Herrn Cziudaj für die tolle Präsentation der unglaublich vielfältigen Arbeit des Eichamts bedanken. Keiner von uns hatte sich die so umfangreich und unterschiedlich vorgestellt.

(Jürgen Lanzki)