Kulturkreis – Orgelbau Klais

Am Freitag, den 10.07.2026 um 14:00 Uhr hat sich der Kulturkreis mit zwei Gruppen zur Besichtigung bei der Fa. Orgelbau Klais in Bonn, Kölnstraße 148 angemeldet. Durch die Verkehrssituation brauchten einige Teilnehmer länger zum Treffpunkt. Nach ca. 30 Minuten waren alle im schattigen Innenhof auf dem Gelände eingetroffen und Herr Rau begrüßte uns im Namen der Fa. Klais. Herr Rau stellte sich und seinen Kollegen Reinartz vor, der die zweite Gruppe übernahm. Dann erzählte Herr Rau etwas zur Geschichte der Fa. Klais.

Die Fa. Klais wurde 1882 gegründet und ist 1896 in den damaligen Industriebau in der Kölnstraße umgezogen, so das Klais sei 130 Jahren hier vor Ort ist.  Neben dem Durchgang zum Innenhof sind zwei große Werkstattfenster. Dort sind sämtliche 70 Mitarbeiter von Klais abgebildet, einschließlich der Lehrlinge. Klais ist ein Orgelbauer-Ausbildungsbetrieb. In jedem der 3 ½ Lehrjahre bildet Klais zwischen 2 und 4 Lehrlingen aus. Orgelbauer ist ein klassischer, vielseitiger Handwerksberuf.

Die Planung einer neuen Orgel dauert oft Jahre. Im Vorfeld sind Absprachen mit Kirchengemeinden und Architekten notwendig. Der Bau einer neuen Orgel dauert vom Entwurf über die Fertigung bis zur Montage 2 bis 3 Jahre.

Alte Orgeln werden repariert, instandgesetzt, restauriert oder erweitert. Sie müssen von altem Staub gereinigt, gewartet, gepflegt und neu gestimmt werden. Diese Aufgaben sollte ein Orgelbauer lösen können. Gearbeitet wird mit Holz, Leder, Metall und elektronischen Komponenten.

Aktuell wird an der Erweiterung der Orgel in der Elbphilharmonie gearbeitet, deren Teile in den Werkstätten stehen und am Montag mit einem großem LKW abgeholt werden. Gleichzeitig wird an weiteren Orgeln für Passau, Saigon, Singapur und Kirchengemeinden in Hamburg und Paris gebaut.

Nach dem gemeinsamen Foto vor der riesigen Orgelpfeife im Innenhof trennten sich die beiden Gruppen. Unsere Gruppe begann die Führung im großen Holzlager und dem modernen Schreinereibetrieb. Das Holz muss bestimmte Bedingungen für die Verarbeitung erfüllen. Im sichtbaren Bereich wird es nach Kundenwunsch behandelt. Die Hölzer werden gegeneinander verleimt um Spannungen an den Holzpfeifen auszuschließen.

In der Metallgießerei werden Metallplatten aus einer Blei-Zinnlegierung mit wenigen Beimischungen z. B. Antimon auf einer Gießbank gegossen und auf die richtige Materialstärke abgehobelt. Dann wird das Material gerollt und zu einer Pfeife verlötet. Die Pfeifengröße schwankt je nach Ton zwischen wenigen cm bis zu 10 m. Große Pfeifen müssen von mehreren Personen hergestellt werden.

Damit die Orgel als Blasinstrument funktioniert muss, neben Spieltisch und Tastatur mit den Registern, die Ventilsteuerungen, die Windlade und der Blasebalg für die Orgel zusammengebaut werden.

Sind alle Teile beieinander und die Holz- sowie die Metallpfeifen in der Werkstatt auf den richtigen Klang geprüft, kann die neue oder restaurierte Orgel verladen und vor Ort aufgebaut und gestimmt werden. Jetzt kann die Orgel ihr Stimmen- und Frequenzband von 8 Hz bis 22 000 Hz voll entfalten.

Wir danken Herr Rau für den mehr als 2-stündigen Rundgang durch die Werkstatt der Fa. Klais in Bonn. Ihm merkt man 20 Jahre Erfahrung im Orgelbau an und mit wieviel Herzblut er uns seinen Beruf Orgelbauer gezeigt hat.

Hermann-Josef Stephan